Samstag, 3. August 2013

Die schöne Estin

Ich besitze mittlerweile einen guten Regalmeter an Handarbeits- und Strickbüchern. Und so gerne ich darin schmökere, die Modelle anschmachte oder mir Garnalternativen (für die ganzen amerikanischen, in Europa nicht erhältlichen Garne) überlege, so selten stricke ich etwas daraus. Anleitungsbücher aus Papier sind einfach unpraktisch.
Meistens haben sie eine Taschenbuchbindung und müssen, damit sie offen liegen bleiben, auf beiden Seiten beschwert werden, was wiederum in hässlichen Knicken auf dem Buchrücken resultiert. Kopierversuche führen zum gleichen Ergebnis und zum mitnehmen sind sie oft zu groß und schwer.. zumal, wer will 26 Anleitungen mit sich herumtragen, wenn er nur eine einzige braucht, und davon oft auch nur einen Chart?
Ehrlich, ich mag Bücher und Handarbeitsbücher sowieso, aber wenn es um die Frage geht, was ich als nächstes stricken soll, gewinnen meistens Anleitungen im PDF-Format. Das ist eigentlich sehr schade, man kauft sich die Bücher ja gerade wegen der tollen Modelle und so habe ich mir letzte Woche Nancy Bushs Knitted Lace of Estonia (noch ohne DVD) und einen Strang Madelinetosh Lace geschnappt und Miralda's Triangular Shawl angeschlagen.Den mochte ich schon immer gern.


Die Anleitung hat zum Glück eine sehr überschaubare Anzahl Charts, die man sich auch gut auf Karopapier abzeichnen kann. Schont das Buch und den Rücken, wenn ich auswärts stricke.
Das "Besondere" an diesem Tuch ist übrigens, dass man mit der langen Kante (also da, wo man normalerweise am Ende alles abkettet) beginnt und die Maschenzahl kontinuierlich weniger wird. Ist am Anfang mit viel Zählerei und Frust verbunden, dafür geht es dann am Ende ganz schnell.


Was auch mit Frust verbunden ist, ist das Garn. Klar, es ist weich und flauschi und die Färbungen sind bestimmt auch ganz toll (wenn man nicht gerade wie ich die ungefärbte Version nimmt), aber die Qualität stimmt meiner Meinung nach nicht. Ich finde, für 22 Euro pro Strang kann man schon erwarten, dass ein Garn knoten- oder zumindest knubbelfrei ist und nicht alle paar Meter ein Grannenhaar drinsteckt. Gut, vielleicht habe ich ein Montagsknäul erwischt, aber bei dem Preis sollte die Qualitätskontrolle doch etwas kritischer sein. Da hatte ich echt schon bessere Garne für kleineres Geld und ich verstehe auch wirklich nicht, wieso ganz Ravelry so auf Madelinetosh abfährt.
Hat einer von auch auch schon mal was aus dem Garn gestrickt? Wie sah euer Strang aus, wart ihr zufrieden damit? Würde mich echt interessieren, ob das ein allgemeines Problem ist oder ob ich einfach nur Pech hatte.

Freitag, 26. Juli 2013

AKTueller Stand

Freitag Abend, Halbzeit für mich und alle anderen, die nur zwei Wochen Akt-Kurs gebucht haben. Leider ohne Fotos, ich hatte keine Lust, die Kamera mitzuschleppen.

Gestern war schlimm. Ich glaube, es lag an der Mischung aus zuviel Information in zu kurzer Zeit und der abflauenden Anfangseuphorie. Bei den kurzen Skizzen morgens habe ich versucht, das Gesagte über Bildkomposition, Positionierung der Figur im Format (meine Güte, ich fange auch schon an so zu reden!) und allgemein Abstrahierung zu beachten.. und es ging völlig schief. Plötzlich klappte nichts mehr. Mit diesem unguten Gefühl widmete ich mich dann einer längeren Kohlezeichnung, die ich nach zehn Minuten komplett schwarz ausmalte und heute beim aufräumen wegwarf. Das hat richtig schlechte Laune gemacht. Nachmittags sollten wir mit einer beschränkten Farbpalette (schwarz, rot, gelb und dem Weiß des Papiers) arbeiten, das wurde nur bedingt besser. Die Kommentare des Meisters fielen entsprechend aus und ausnahmsweise sah ich auch mal, dass es wirklich nicht gut war. Hat auch keinen Spaß gemacht.
Am Ende aller Hoffnung wollte ich nur noch die Zeit rumbringen und malte eine relativ abstrakte Rückenansicht mit zusammengeschnorrten Acrylfarben, die lustigerweise heute bei der Besprechung wieder gelobt wurde. Naja, wenn sie meinen.

Heute war wieder besser, auch wenn ich viel zu wenig geschlafen habe. Wir bekamen eine kleine Einführung in Gestaltlehre mit Dia- und Overhead-Projektor. Wie oldschool. War ganz nett, auch wenn man das meiste eigentlich schon irgendwie wusste.
Zurück in der Halle habe ich beschlossen, dass ich morgens ein paar schnelle Erfolgserlebnisse und "schöne" Bildchen brauche, auch wenn ich mir dafür anhören darf, wie langweilig die Figuren im Blatt sitzen und wie sehr ich einfach das Gesehene abzeichnen würde. Diese super aufgelösten Formen und Bewegungen und aufstrebenden Richtungen und die ganze Lebendigkeit und Entschiedenheit und Direktheit liegen mir nicht.
Danach ging die Schulstunde weiter mit Farblehre, was eigentlich auch ein alter Hut ist. Aber zumindest verstehe ich da mal, worum es geht, das ist für mich im Moment echt keine Selbstverständlichkeit.
Gestern Abend war ich extra früher gegangen, um mir noch eigene Acrylfarben zu besorgen, damit ich nicht so sparsam mit den erbettelten Klecksen auf meiner Palette umgehen muss. War ganz gut so, auch wenn ich nicht weiß, ob ich die Tuben jemals aufbrauchen werde.
Den Nachmittag verbrachten wir mit Komplementärfarben und vielen selbstgemischten Hauttönen, das hat Spaß gemacht. Mir deucht, realistischere Abbildungen machen mich glücklicher als abstrakte Lebendigkeit. Vielleicht ist das wieder eine Frage des Alters, die ganzen pensionierten Lehrer in dem Kurs empfinden alles mit einem niedrigeren Abstraktionsgrad als Paul Klee als profan. Picasso ist schon was für Langweiler. Ich dagegen muss sagen, dass ich mich noch lange nicht an Carl Larsson sattgesehen habe.

Jetzt ist erstmal Wochenende und ich bin froh, dass ich zwei Tage was komplett anderes machen kann. Stricken zB. wäre cool, dazu kam ich die ganze Woche nicht. Oder einkaufen. Oder rausgehen und mit normalen Leuten reden, die nicht die ganze Zeit lebendige Direktheit und Farbigkeit im Kopf haben. Au ja, normale Leute wäre super.

Mittwoch, 24. Juli 2013

AKTive teilnahme

Mal sehen, wie viele "Akt"-Wortspiele mir einfallen, bevor es komisch wird.

Gestern und heute haben wir fleißig weitergearbeitet, allerdings war ich gestern Abend so fertig mit der Welt, dass ich keine Nerven mehr hatte, Bilder hochzuladen.
Morgens fingen wir mit kleinen, schnellen Skizzen an, drei bis fünf Minuten auf A5 bis A4. Diese hier sind von gestern, die heute habe ich aus irgendeinem Grund nicht fotographiert.


Danach wurde es großformatig und ich habe mal wieder gemerkt, dass Kohle nicht mein Mittel der Wahl ist, auch wenn man die Striche angeblich so wunderbar wieder wegwischen kann. Aufgabe hier war Flächen finden. Nunja, üben wir nochmal.


Ansonsten passierte gestern nicht allzu viel, wie gesagt war ich gegen Ende zu nichts mehr zu gebrauchen.. war einfach zu warm und schwül.

Heute Morgen wieder warmzeichnen und danach bei einer längeren Sitzung Fokus auf Porträt, da der Kopf bisher doch eher vernachlässigt wurde. Ich saß etwas unterhalb des Modells (Kräfte einteilen und so, die anderen standen hauptsächlich), deshalb das ausgeprägte, dunkle Kinn.


Jetzt sehe ich natürlich, dass der Hals zu lang geraten, bzw. der Kopf etwas zu klein ist, aber was will man in so einem Fall machen, wenn der Rest schon zu ausgearbeitet ist, um den Fehler ohne massive Verluste beheben zu können? Vorher genauer messen, ja ja.

Nach dem Mittagessen wurden wir noch größer (das Porträt ist A2) und vor allem flüssiger. Ich war kein Stück darauf vorbereitet und musste mir von verschiedenen Personen Acrylfarbe, Pinsel, Palette und Wassereimerchen schnorren.
Bilder habe ich von dieser Misere keine gemacht, es war auch echt ein trauriger Anblick. Ne, nicht mein Ding. Bei der Bildbesprechung stehe ich daneben, es fallen Wörter wir "Farbigkeit", "Lebendigkeit", "Entschiedenheit", "Ausdrucksstärke". Das eine Bild wird total gelobt, das andere erhält heftige Kritik, und ich sehe überall nur eckige, farbige Patscher und moderne Kunst, die ich durchgehend relativ hässlich finde. Für mich ist das wie Topfschlagen mit verbundenen Augen und Ohren, ich sehe auch nicht, was an der einen Pinselzeichnung nun besser sein soll als bei einer anderen. Vielleicht ist das so ein Alte-Leute-Ding, die einzige andere Teilnehmerin in meinem Alter hatte nämlich das gleiche Problem. Aber vielleicht haben wir auch einfach noch nicht genügend zeitgenössische Ausstellungen besucht und Kunstkataloge mit wichtig klingenden Wörtern gelesen.

Zum Schluss ging es noch kurz um das Verhältnis zweier Modelle zueinander (Stichwort Überschneidung und Beziehung) und die Bleistiftzeichnung gefällt mir wieder richtig gut.


Jetzt ärgert es mich fast, dass ich das graue Papier genommen habe, da der Bleistift fast etwas untergeht. Das Problem hatte ich letztes Jahr schon, aber ich mag die Struktur einfach gerne.

Morgen nehme ich mal meine Aquarellfarben mit, vielleicht bin ich damit erfolgreicher. Zuerst dachte ich ja, ich sollte mir auch mal Acrylfarben zulegen, aber wenn die Ergebnisse so aussehen wie mein heutiges "Werk", spar ich mir das Geld vielleicht lieber.

Montag, 22. Juli 2013

Kein großer Akt

Aber immerhin ein kleiner.

Es ist wieder Sommerakademie und dieses Jahr werde ich - im Gegensatz zum letzten Jahr - nicht nackte Häuser zeichnen, sondern nackte Leute.

(Äußerst künstlerisch in Szene gesetzt mit Schatten von Fensterstreben und Baum. 
Ich war nur zu faul, die Staffelei umzustellen.)

Ich muss sagen, dass mir Akt sehr viel schwerer fällt als Architektur. Bei Gebäuden kann man relativ einfach mit einem geraden Strich anfangen, die Länge festlegen und dann immer anbauen. Es gibt klare Punkte und Winkel, an denen man mit dem Bleistift ansetzen und messen kann.
Bei lebendigen Körpern ist das alles viel schwieriger, es gibt kaum bis keine geraden Linien, alles geht ineinander über, fließt zusammen. Hier habe ich zwar versucht, Linien zu finden und die ganze Zeit wie eine Wilde nachgemessen und in Verhältnisse gesetzt, aber das Weiche, Runde und Dreidimensionale fehlt irgendwie noch. So popelig und schlicht die Zeichnung auf dem Papier aussieht, da steckt eine halbe Stunde Arbeit drin.
Übrigens, mein neues Lieblingswort: "Körperhaftigkeit".

Morgen früh geht's weiter..

Freitag, 19. Juli 2013

Die ersten Tausend

Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht: Die ersten 1000 Bilder sind im Kasten. Gut, das liegt auch daran, dass ich am Sonntag den Knopf für Reihenaufnahmen gefunden habe und daraufhin zig Brumselbienenfotos machen musste, von denen kein einziges scharf wurde. Aber trotzdem, tausend Fotos sind tausend Gelegenheiten, die Kamera besser kennen zu lernen und ich muss sagen, so langsam bekomme ich "the hang of it", wie der Engländer sagt.











Das letzte Bild ist übrigens Nummer 1000, vorhin auf dem Heimweg vom Garten am Wegesrand geschossen.

Sollten A- und B-Karriere scheitern, kann ich also immer noch Grußkartenfotograf werden. Beruhigend, irgendwie.