Dienstag, 29. Dezember 2015

2015: Voller Tatendrang..

.. in die falsche Richtung. 

Das Jahr war aufregend, keine Frage. Und lehrreich. Ich habe mich endgültig vom Studentendasein losgesagt (sprich: Die Versicherung läuft jetzt auf Basis eines Erwachseneneinkommens) und meinen ersten Vollzeitjob angetreten. Ich habe mein geliebtes Hesseländsche verlassen und bin ans andere Ende der Republik gezogen, auch wenn von Hessen aus gesehen das andere Ende der Republik nie besonders weit weg ist. Ich arbeite im Ausland. Ich habe meine erste Feuerwerksrakete gezündet (big deal!). Ich war das erste Mal angeln, habe meine erste Makrele umgebracht - und aufgegessen. Ich bin in eine richtige Erwachsenenwohnung gezogen, ich habe einen Kühlschrank für mich alleine, eine Waschmaschine, eine elektrische Zahnbürste und einen Herd, der Umluft kann. Neuerdings habe ich sogar ein Auto. Dafür immer noch kein Internet, aber das nur am Rande. Ich habe zu allem Möglichen "Ja" gesagt, und es war meistens gut. Ich habe eine Liste mit Dingen geschrieben, die ich 2015 gemacht habe, und sie zu Hause vergessen.


Was daran jetzt falsch war? Naja. Man möge es mir verzeihen, aber Nordrhein-Westfalen ist nicht unbedingt mein Traumland. Bis zum nächsten erwähnenswerten Hügel sind es mindestens eineinhalb Stunden Fahrt und bis zum Meer trotzdem noch zwei. Nicht einmal ordentlichen Wald gibt es. Ich habe verstanden, dass es mir wichtig ist, mich in einer Landschaft aufzuhalten, die mir gefällt. 
Der Job ist das Beste, was mir passieren konnte, die Kollegen sind nett, die Bezahlung für einen Berufseinsteiger ordentlich, der Zweck des Ganzen relativ sinnvoll und sogar entfernt studienverwandt. Allerdings macht er mich nicht glücklich. Genau wie das Grammatik-Propädeutikum im ersten Semester wird es mir später sicher noch einige Male den Arsch retten, ihn gemacht und daraus gelernt zu haben, aber Spaß habe ich (genau wie damals) keinen dran. Auch das Drumherum, der Umzug, die neue Wohnung, die neue Umgebung, die neuen Leute und die neue Kultur haben mich einiges gelehrt und tun es immer noch, im Positiven wie im Negativen. Ich habe viel Zeit, Nerven und Herzblut in Dinge gesteckt, die es nicht wert sind und dafür andere, wichtige Dinge vernachlässigt. Da war ich zugegeben schon mal weiter, aber wie das eben so ist: Erst losfahren, dann Navi einschalten. 


2015 war holprig, das steht fest. Es war natürlich nicht die ganze Zeit so schlimm, wie ich es jetzt darstelle, aber zwischendurch war es zeitweise auch mal sehr schlimm und sowas will ich in meinem Leben einfach nicht mehr haben. Während ich also immer noch nicht genau weiß, was ich will oder es mir zumindest immer noch nicht eingestehen kann, weiß ich jetzt immerhin etwas besser, was ich nicht will. 


Was ich mir von 2016 erwarte? In erster Linie Kurskorrektur und dann Gas geben. Rudern hab ich gelernt, jetzt muss ich noch lenken üben. Das geht natürlich besser, wenn man nicht ganz alleine für das Boot verantwortlich ist, daher wird das große Projekt für das kommende Jahr, mit dem Ninja zusammenzuziehen. Zum mittlerweile dritten Mal. Im Schlepptau dieses Unterfangens wird hoffentlich im Sommer ein Umzugslaster den gleichen Weg wie 2014 nehmen und schließlich mein Leben im Land in der Ferne abladen. Wo genau, wird sich noch zeigen, da bin ich erst mal nicht wählerisch. Hauptsache Meer und Berge und klare Luft und schöne Menschen. Alles andere wird sich ergeben. Sage ich jetzt mal so, in meiner Versöhnlichkeit mit dem sterbenden Jahr und in voller Erwartung eines neuen. 


Ich wünsche euch allen noch ein paar schöne Feiertage mit euren Lieben, viel Entspannung und vielleicht sogar ein bisschen Schnee für uns alle. Träumt am Limit und schmiedet großartige Pläne, dann wird es, falls ihr sie nicht ganz erfüllen könnt, immer noch toll genug gewesen sein.

Montag, 19. Oktober 2015

Die Tage der Welt

Im September war ich über meinen Geburtstag noch einmal eine Woche im Landet i det Fjerne. Wie das Bild, das ich noch von Norwegen aus gepostet hatte, schon vorausahnen ließ, hatten wir echt Spaß. Hier nun die ganze Story in relativ chonologischer Reihenfolge. 




















Was ich in dieser einen Woche gelernt habe? Machen, einfach machen. Wenn du nach Finnland fahren willst, denk nicht lange darüber nach, fahr nach Finnland. Du kannst dein Abendessen mit Euros bezahlen. Wenn du zu diesem See fahren willst, fahr zu diesem See, egal ob die Sonne schon untergeht. Wenn du diesen Berg besiegen willst, dann besieg ihn, verdammt noch mal. Und wenn es den ganzen Tag dauert (es hat den ganzen Tag gedauert). Auf dem Weg nach oben gibt es Blaubeeren und der Weg nach unten ist sowieso egal.. weil du oben warst. 

Und wenn dir als Deutsche jemand in Norwegen italienischen Weißwein schenkt, bedank dich und nimm es einfach hin. Dinge müssen manchmal keinen Sinn ergeben. 

Donnerstag, 1. Oktober 2015

On a different note

Seit gestern steht meine Anleitung für die Menelaos Mitts auf Ravelry in den Favorites von sagenhaften 1000 Leuten! 

Das sind.. ganz schön viele! Vielen Dank für diese tolle Bestätigung, dass euch der Kram, den ich so mache, echt gefällt. Und jetzt sucht in eurem Stash nach Garn, um euch selbst ein Paar Stulpen zu stricken! 

Mittwoch, 30. September 2015

Hip as Hell

Letztens fiel mir, als ich gerade zwei Karten schrieb (eine zum Geburtstag, eine zur Abgabe einer wichtigen Arbeit), auf, wie sehr ich Postkarten immer unterschätzt habe. Wie gut Postkarten eigentlich sind. Ist euch das mal aufgefallen? Sie haben ein festes Format, begrenzten Platz für ein paar liebe Worte und im Idealfall noch ein hübsches Motiv vorne drauf. Der Empfänger freut sich fast genauso wie über einen vier Seiten langen Brief, nur dass man viel weniger Arbeit damit hat! 

Nachdem ich also zuerst im Schreibwarenladen war, um mir einen Vorrat zusammenzustellen und bei der Post, um Briefmarken aufzustocken (Inland 45 Cent, Ausland 80 Cent), dachte ich mir: Wisst ihr, worüber sich der Empfänger noch mehr freuen würde? Über selbstgemalte Karten. Oh yeah. 


Das ist der Punkt, an dem ich zugeben muss, dass ich mich selbst belogen habe. Ich bin ein Hipster. Tut mir leid, war keine Absicht. 



Diese drei Karten sind entstanden, als ich am Wochenende mit der Nass-in-Nass-Technik rumgespielt habe. Man feuchtet einfach das ganze Blatt mit klarem Wasser an und setzt dann mit konzentrierter Farbe Flecken darauf. Warten bis alles getrocknet ist und fertig. Eine Sache von zwei Minuten. 
Zuerst wollte ich die Kleckse einfach so lassen, völlig abstrakt und sophisticated. Aber dann erschien es mir doch zu langweilig und ich habe ein bisschen mit dem Fineliner experimentiert. Für diese Polygon-Muster braucht es genauso wenig Talent wie für den Untergrund, im Prinzip sind es ja nur Dreiecke. Aber der Effekt gefällt mir echt gut und ich freue mich schon darauf, am Wochenende noch ein paar Karten zu malen. 

Was mich zu etwas anderem bringt: Ich weiß ganz genau, dass ihr auch gerne Karten bekommt. Die Weihnachtskartenaktion hat es bewiesen. Daher schlage ich etwas vor: Schickt mir eine selbstgemachte (gemalte, geklebte, genähte, whatever) Postkarte und ihr bekommt eine Karte von mir zurück. Nicht zwangsweise eine der oben abgebildeten, aber sie wird ebenfalls selbstgemacht sein. Auf so kleinem Format kreativ zu sein ist eine gute Fingerübung und auf diese Weise verstauben die Werke nicht in der Schublade. Meine Adresse bekommt ihr auf Anfrage, eure Adresse könnt ihr dann entweder hinten auf die Karte schreiben oder mir eine E-Mail schicken. Deal? Deal. 

Montag, 28. September 2015

Sky to Seashore

Im Sommer war mir nach langer Kardiermaschinenabstinenz mal wieder nach Farbexperiment. Also habe ich alle Merinowollknäulchen ausgepackt, Farben zusammengestellt, rumprobiert und schließlich einen langen Farbverlauf zusammenkardiert. Selbiger wurde zu einem Single mit wenig Drall versponnen und lag dann erst mal eine ganze Weile rum, bis ich mich entscheiden konnte, von welcher Seite aus ich mit stricken beginnen will. 


Die Konstruktion ist denkbar einfach: Ein simples Dreieckstuch mit einer Zunahme in jeder Reihe an den langen Kanten und einer Zunahme pro zwei Reihen (immer in der Hin-Reihe) in der Mitte. Glatt rechts mit einer Reihe linke Maschen alle 20 Reihen und am Ende ein bisschen kraus rechts. Hinterher fiel mir auf, dass das Tuch Boneyard von Stephen West sehr ähnlich sieht, aber man kann das Rad ja nicht dauernd neu erfinden. Beziehungsweise, es wird halt immer wieder rund, nech? 



Ausgangsamterial waren neun verschiedene Farben Merinowolle (zwei Töne hellblau, grau, waldgrün, türkis, petrol, mittelblau, royalblau und dunkelblau). Himmelblau bis Ozeanblau mit ein bisschen Geologie und Biologie dazwischen, aber abstrakt genug um nicht als Motivpullover durchzugehen. Passt doch. 



Das Stricken an sich war gegen Ende etwas mühsam und langweilig, aber der Farbverlauf macht optisch soviel Spaß, dass ich darüber hinweg sehen konnte. Jetzt muss es nur noch Herbst wer.. ach ja, da war ja was. Es ist bereits Herbst! Fröhliche Lieblingsjahreszeit euch allen!