Sonntag, 15. Februar 2015

Über Zuhause

Am Wochenende war ich viel unterwegs. Zuerst bin ich Donnerstag direkt nach der Arbeit nach Kassel gefahren, habe dort eine viel zu kurze Nacht verbracht und bin Freitag nach Marburg, um mir dort abends auf der Absolventenfeier meine lateinische Urkunde und ein paar Schnittchen abzuholen. Und heute wieder zurück an die Grenze. 

Ich würde ja gerne schreiben, dass ich "nach Hause" gefahren bin.. aber das stimmt nicht. Zuhause ist im Moment nirgends. Hier schlafe, esse und arbeite ich, aber es dauert noch eine Weile, bis ich in meine Wohnung kann.
In Kassel steht ein Großteil meines Zeugs, aber dreieinhalb Monate Zwischenmiete reichen nicht, um den Ort, an dem das Bett steht, zu einem Zuhause werden zu lassen. Der Ninja sagt immer: "Nichts ist eine Zwischenstation.", aber da ich immer wusste, dass Kassel nur vorübergehend sein würde, habe ich mir gar nicht die Mühe gemacht, Gefühle für diese Stadt aufzubauen. 
Mit Marburg sieht es schon anders aus. Es ist ein komisches Gefühl, in eine Stadt zurückzukehren, wo man sich im Prinzip perfekt auskennt, die sich in der Zwischenzeit aber doch verändert hat. Mir kam es vor, als würde ich einen Ex-Freund nach Jahren wiedersehen. Man kennt diesen einen Blick, diese Narbe, diese Angewohnheit und bekommt das Bedürfnis, ihm durch die Haare zu wuscheln. Gleichzeitig haben sich beide verändert und es gibt Dinge, die vollkommen neu und ungewohnt sind. Der Bahnhofsvorplatz ist fertig, in der Oberstadt sind alte Läden verschwunden und neue aufgetaucht. Das Sudhaus wird im Mai schließen. Das Wintersemester hat neue Gesichter in die Stadt geschwemmt. Aber vor dem Kino riecht es nach Popcorn. Ahrens hat (warum auch immer) mal wieder alles reduziert. Einer der Oberstadtaufzüge ist gesperrt. Auf der Wackelbrücke steht jemand und spielt Saxophon.

Ich würde nicht sagen, dass ich Heimweh nach Marburg habe. Es fühlt sich eher an wie Liebeskummer. Man trifft sich um der alten Zeiten willen auf einen Kaffee, hat Spaß, fühlt sich aufgehoben und verstanden und kann selbst nicht verstehen, warum man nie nach diesem oder jenem gefragt hat. Wahrscheinlich, weil es damals nicht wichtig war. Weil einem erst die Fremde den Blick dafür gegeben hat, wie wertvoll die gemeinsame Zeit war. Dafür, was man alles nicht gesagt und nicht getan hat. Ich war nie in der Ketzerbach, nie im Botanischen Garten. Ich bin nie mit dem Rad nach Gießen gefahren. Ich habe dem Garten nicht Auf Wiedersehen gesagt und nie das Knubbel von innen gesehen.
Und dann erinnert einen das Schlafzeug und der Kulturbeutel im Rucksack daran, dass man nicht bleiben kann, dass man nicht mehr dorthin gehört. Dass die Trennung Gründe hatte. Es wäre keine gute Idee, dem Drang nach Geborgenheit und der Gewissheit, die Buspläne auswendig zu kennen, nachzugeben. Wie gesagt, man ist ja nicht grundlos auseinandergegangen und aufgewärmt schmeckt sowieso nur Gulasch (und Kürbissuppe).

Marburg war wahrscheinlich sehr schnell über mich hinweg. Diese Stadt ist es gewohnt, junge Leute von überall aufzunehmen, ihnen einen Studienabschluss in die Hand zu drücken und sie wieder ziehen zu lassen. Vielleicht würde es mir auch leichter fallen, wenn ich schon ein neues Zuhause hätte. Klar, im Prinzip ist das hier an der Grenze, aber ich bin nicht der Typ für Where I lay my head is home.
Wahrscheinlich werde ich noch eine Weile brauchen, bis ich die Schönheit des flachbrüstigen Münsterlands zu lieben lerne. Bis ich seine Schrullen als liebenswerte Macken akzeptieren kann. Bis die Bahnfahrt hierher keine nervige Odyssee mehr, sondern der Weg nach Hause ist.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Het volgende station: Toekomst

So schnell kann's gehen! Gerade noch bin ich aus der mittelhessischen Provinz in die nordhessische Metropole gezogen und jetzt darf ich mir schon seit über einer Woche jeden Morgen Zugansagen anhören, die eher wie schleimlösende Sprechübungen klingen. 

Im Moment habe ich in der Wohnung, in der ich vorübergehend untergekommen bin, leider kein Internet, sodass ich nur sporadisch online sein kann. Das tut mir sehr leid und ist auch echt etwas nervig, aber nicht zu ändern. Es kommen auch wieder bessere Zeiten, versprochen! 

Donnerstag, 15. Januar 2015

Bambus für die Seele

Im November ging es mir nicht so gut. Ich war krank, es war kalt, der Ninja seit drei Monaten weg und meine Jobsuche eher mäßig erfolgreich. Um die Arbeitsmoral zu verbessern und mir was Gutes zu tun, habe ich den Kammzug von Sweet Georgia ausgepackt, den ich 2012 in Bonn gekauft hatte. Hier gab es ein Zwischenstandsbild der ersten Spule. Die habe ich noch vollgemacht, aber auf die zweite Spule hatte ich erstmal keine Lust.
Zwischenzeitlich war alles toll, Weihnachten war super und eine gute Nachricht jagte die nächste. Bis jetzt am Wochenende wieder Probleme auftraten und ich etwas geknickt war. Aber weil mich die Arbeit an der ersten Spule im November so aufgemuntert hat, habe ich die restliche Wolle rausgekramt und versponnen, alles verzwirnt und gewaschen. Und siehe da.. heute geht es mir schon viel besser. Gut, das hat auch andere Gründe, aber ich bin mir sicher, dass dieses kleine flauschige Etwas auch seinen Teil beigetragen hat. 


Die einzelnen Farbabschnitte im Kammzug waren relativ kurz und da ich gerne einen Farbverlauf haben wollte, musste ich den Strang in viele kurze Stücke teilen, die ich dann nacheinander verspann. Den entstandenen Single habe ich per Chain Ply verzwirnt. 


Da das Garn noch etwas feucht ist, kann ich zur genauen Lauflänge noch nicht viel sagen, aber ich rechne mit 300-500m. 


Was daraus werden soll, weiß ich noch nicht genau. Ich habe den Aranami Shawl im Kopf, aber fest steht noch nichts. Falls ihr Vorschläge habt, immer her damit! Ich bin offen für alles :)

Dienstag, 6. Januar 2015

Fünfhundert!

Ein frohes Neues euch allen! Ich hoffe, ihr hattet erholsame Feiertage und könnt jetzt geistig gestärkt und seelisch frisch das so weit vor uns ausgebreitete Jahr in Angriff nehmen.

Für mich (und euch auch, irgendwie) gibt es erst mal was zu feiern:

500 Posts!

Fünfhundert! Stellt euch das mal vor. Das entspricht seit sechseinhalb Jahren ungefähr einem Post alle vier Tage. Finde ich schon ordentlich, wenn man mal bedenkt, was in der Zwischenzeit alles passiert ist.

Und weil es so gut passt, habe ich mir gleich zwei Überraschungen ausgedacht. Als Erstes gibt es ein neues Strickmuster. Mal wieder für Stulpen, die strick ich besonders gern.



Die Tage werde ich noch mal ausführlicher darüber berichten, für heute sollen die Fotos genügen. Die Anleitung könnt ihr bequem über Ravelry runterladen. Wer dort nicht ist, kann mich auch gerne anschreiben, dann schicke ich euch das PDF per Mail zu.

Das zweite Schmankerl ist ein Gutschein über 20% auf ALLES in meinem Ravelry-Stash. Der Code dafür ist 500mal2hände, den ihr bitte mit in die Kaufanfrage schreibt, damit ich weiß, dass ihr vom Blog kommt. Versandkosten gehen extra, dafür ist der Gutschein mit eventuellen anderen Gutscheinen, die ihr noch von mir habt, kombinierbar. Der Gutschein gilt bis Ende Januar.

Ich wünsche euch einen guten Start ins neue Jahr und viel Erfolg bei allem, was ihr so vorhabt!


* Ein kleiner Nachtrag zur Weihnachtskartenaktion: Es hatten sich 10 Leute gemeldet, genau so viele Karten hatte ich mit in den Urlaub genommen. Es dürfte also jeder, der eine Karte haben wollte, auch eine bekommen haben. Ich hoffe, die Aktion hat euch genauso viel Spaß gemacht wie mir. Ist irgendwie schön zu sehen, wieviel Freude ein kleines Stück Papier machen kann :)

Mittwoch, 31. Dezember 2014

One Year from Now

2014 ist schon wieder rum? Mann, das ging dieses Mal echt schnell. Ob es daran lag, dass so krass viel passiert ist oder daran, dass die Zeit, je älter man wird, schneller zu vergehen scheint? Ich weiß es nicht. Aber 2014 war ein spannendes Jahr. Ein aufregendes Jahr. Und alles in allem auch ein gutes Jahr.


Aber mal von vorne.. was haben wir eigentlich so gemacht?

Die erste Hälfte des Jahres war klar von meiner Masterarbeit bestimmt. Das war so geplant und auch völlig ok, darauf war ich vorbereitet. Ich saß viel in der Uni, bin morgens hin und abends wieder nach Hause, der Rest meines Lebens stand in der Zwischenzeit auf Pause. Trotzdem habe ich mir ein paar Ausbrüche gegönnt, z.B. die Kardiermaschine und kurz vor Abgabe das Spinntreffen beim Wollschaf. Kleine Urlaube, to keep the spirits up. Die Mühe hat sich am Ende richtig gelohnt, mit der Note bin ich super zufrieden und für ein paar Stellen muss ich mir auch mal selber auf die Schulter klopfen. Ich habe mich mit der Literaturwissenschaft versöhnt und offenbar gerockt. Auf diese Abschlussarbeit bin ich, mit etwas Abstand betrachtet, echt stolz. 


Parallel dazu sind noch ein paar Dinge passiert, die mich sehr gefreut haben, auch wenn sie bedeuten, dass ich ein paar liebe Menschen nicht mehr so oft sehe. Meine beste Freundin hat einen tollen Job in einer tollen Stadt gefunden, mein persönlicher Peer Gynt wurde im Landet i det Fjerne angenommen. Kurz nach der Abgabe meiner Arbeit hatten wir die "große" Keltologenkonferenz mit allen wichtigen Leuten in der Stadt und gleich eine Woche später ging es Richtung Norden. Das erste Mal Dänemark (wo wir nur kurz zum pinkeln anhielten), das erste Mal Schweden (zwei Nächte und unendlich viele Mückenstiche), das erste Mal Finnland. Oooh, ich sag euch, Finnland ist mein neues Lieblingsland. Ich weiß, das "richtige" Finnland sieht anders aus als das Stückchen, durch das wir fuhren, aber ganz ehrlich: Sowas Schönes hab ich noch nie gesehen. Ganz große Landschaftsliebe. Dann über einen unscheinbaren Bergpass und schon waren wir im Norwegen, wie wir es kennen. Mein erster richtiger Campingurlaub, meine ersten Rentiere, meine ersten komplett auf Norwegisch geführten Gespräche mit Fremden. Ein Mittagsnickerchen am Gletschersee, wo man die Erde atmen spürt und unendliche Entspannung in der Pampa am Ende der Welt, mit Tuonela von Amorphis auf den Ohren und dem Gefühl, einfach nur zu sein. Ihr seht, das hat was mit mir gemacht. 


Wieder zu Hause stand eine Entscheidung an. Nach ziemlich genau acht Jahren musste ich aus Marburg weg, die Frage war nur, wohin. Schließlich bin ich durch glückliche Zufälle hier in Nordhessen hinterm Haselstrauch gelandet, habe ein Hochbett (Kindheitstraum check) und eine Katze als Mitbewohnerin. Ein kurzes Intermezzo auf dem Weg in die Welt. Das Rucksäckelchen ist schon geschnürt für den nächsten Schritt, ich schaue nur kurz meine Sachen durch, was ich behalten mag und was weg kann. 2014 hat mich gelehrt, mutiger zu sein und öfter "Ja" zu sagen.


Ich habe so viel gelernt in diesem Jahr. Fachlich, menschlich, über die Welt, über andere, über mich selbst. Ich habe sinnvolle Grenzen gezogen, unsinnige Grenzen neu gesteckt und andere einfach offen gelassen. Es war anstrengend und es gab fiese Durststrecken, aber am Ende haben sie sich immer gelohnt. Ich bin so vielen Leuten dankbar für ihre Unterstützung, für ihre Arschtritte, ihre spontanen Ideen, manchmal auch nur für ein Glas Wein und ein gutes Gespräch (reden optional).
Ich kann nur hoffen, dass ich in der Lage war, der Welt alles Gute, das mir widerfahren ist, auch zurückzugeben.


Jetzt steht ein neues Jahr an und ich bin gespannt, wohin die Reise gehen wird. 2014 wurden Dinge zuende gebracht, sodass 2015 noch viel Platz für Neues hat. Ein paar Weichen sind gestellt, aber im Großen und Ganzen muss ich mich überraschen lassen. Und ich freu mich richtig drauf.