Montag, 4. Juni 2012

Das beste Buch der Welt

Hat eure Mutter ein Kochbuch? So ein selbstgeschriebenes, das noch aus den 70ern stammt, mit geknickten Ecken und Flecken unbekannter Herkunft? So eins, bei dem die ersten Seiten noch aus der Schulzeit stammen, mit Schönschrift und vielleicht ein paar Schnörkeln neben dem Namen des Rezepts. Wo die Anleitung für das Waffeleisen abgeheftet ist, und weiter hinten liegen lose Schnipsel, die irgendwann Anfang der 90er aus Frauenzeitschriften ausgeschnitten wurden, in einer Klarsichthülle. Bei einigen Seiten sind schon die Löcher ausgerissen, einmal hat mal jemand versucht, sie mit diesen runden Plastik-Ringen zu verstärken, aber irgendwo in der Mitte aufgehört. Manche Rezepte kann man gar nicht lesen, weil die Tinte ausgebleicht ist oder die Freundin, von der es stammt, einfach eine Sauklaue hatte.

Meine Mutter hat so eins. Die des Ninja auch. Überhaupt ist das - finde ich - so eine Mutter-Sache. In Jugendzeiten fand ich das reichlich überflüssig. Da war die Anzahl der Rezepte, die ich oft und gerne benutzt habe, so gering, dass ich sie auswendig im Kopf hatte. Den Frau-Zahedi-Kokosflockenkuchen habe ich in der 12 und 13 bestimmt durchschnittlich einmal pro Monat gebacken, oft im Halbschlaf morgens vor der Schule zwischen duschen und Frühstück, sodass er in der ersten Pause noch warm war. Einmal fragte mich ein Mitschüler, ob ich nicht mal wieder meine Hausaufgaben vergessen will, er hätte Bock auf Kuchen.

Aber in einem gewissen Alter (höhö) setzt dann doch das Siebhirn ein. Wenn man die Zutaten selbst bezahlen muss und einen auch keiner mehr mit dem Auto direkt vor dem Schulgebäude absetzt, backt man ganz automatisch nicht mehr so oft. Und was man nicht permanent wiederholt, verschwindet irgendwann aus dem Gedächtnis. Manche Sachen lassen sich auch nicht so oft nachkochen, die grandiose Pilzpirogge zB. ist desto besser, je seltener man sie macht.

Bisher sahen meine Rezepte ungefähr so aus:


Ich öffne die Internetseite mit dem Rezept, kritzel irgendwo auf ein leeres Blatt Papier die essentiellen Infos und gehe damit in die Küche.


Gewichtseinheiten werden überschätzt, Sachen wie "hinzufügen", "umrühren" oder "Blackblech mit Papier auslegen" kann ich mir auch so merken. Zumindest so lange, wie ich das Rezept brauche. Zwei Tage oder gar ein paar Monate später wird es schon schwierig, das Gekrakel zu identifizieren. Das oben dürfte ein Hefezopf gewesen sein, das unten sind zwei Sorten Schokoladensirup aus dem KuLa. Aber das Wahre sind diese krypischen Notizen nun wirklich nicht.

Ich habe also eingesehen, dass es praktisch wäre, eine Rezeptsammlung zu haben. Offline, auf Papier, man hat ja nicht immer ein Internet zur Hand, schon gar nicht in fremden Küchen. Eine, wo man problemlos neue Rezepte aufnehmen kann oder alte rauswerfen, sollte man sie warum auch immer irgendwann nicht mehr mögen. Eine, wo auch Sachen Platz haben, die man noch nicht ausprobiert hat, die aber so wahnsinnig lecker klingen, dass man sie auf keinen Fall vergessen darf. Ein Mama-Rezeptebuch.
Der Gedanke reifte über mehrere Wochen in mir und ich habe lange überlegt, wie dieses doch irgendwie auf die Zukunft ausgerichtete Buch aussehen soll. Nicht zu groß, ein Ringordner wäre gut, mit schönem Muster außen.

Heute war Mutti einkaufen.


Der Ringordner ist A5 und nicht so dick, das ist perfekt. Ich habe mit Absicht den weißen genommen, falls was durchscheint. Das Geschenkpapier ist ziemlich dünn, ich hoffe mal, es funktioniert trotzdem. Im schlimmsten Fall muss ich nochmal los und sündhaft teures Scrapbookingpapier besorgen oder durchsichtige Folie drüberkleben. Die Einlegeblätter gab es nur im 100er-Pack, kulinarisch ist also noch Platz nach oben. Mein bester Freund Ponal ist nicht mit auf dem Bild, den hatte ich aber auch noch zu Hause. Der ganze Spaß kostete bisher knapp 8 Euro, da sind die meisten Kochbücher teurer.

Nächster Schritt: Informieren, wie man Bücher bezieht. Greta, Bronwen, ihr wollt mir nicht zufällig helfen? ;)

Kommentare:

  1. aaahahaaaa das kenne ich ^^
    bei mir siehts ähnlich aus und so wie du es beschreibst sehen die Kochbücher meiner Mutter auch aus ^^

    deine Krakelein könnten von mir sein auch wenn ich vor ein paar Jahren mal so ein Zuckersüßes Rezeptbüchlein zum selber reinschreiben bekommen habe ich kürze doch so weit wie geht in der Hoffnung drei Jahre später weiß ich noch was damit gemeint ist
    aber die sind echt praktisch gerade wenn ich mal wieder aus einem Kochbuch bei den Eltern oder so schauen will und das Rezept gerne für länger hätte

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  2. Jaah, meine Mutter hat auch so eins. Nur ohne Klarsichthülle.
    Meins ist ein schwarzes Heft, das ich damals in der Schule im Buchbinden gemacht hab. Kennst du. ;)

    Buch beziehen:
    1. Kleber (Kaschierleim ist da am Besten, kriegste in ausreichender Menge im Bastelladen, dieser weiße Holzleim sollte aber auch gehen) mit Wasser verdünnen -> sollte halbwegs flüssig sein, aber noch deutlich weiß
    2. Fetten Pinsel nehmen (Malerpinsel, die bisschen schmalere Sorte, oder die runde, die sind eigentlich noch besser), Papier auslegen, mit Kleber bestreichen, bisschen einziehen lassen (wellt sich).
    3. Papier auf das Buch packen, am Besten erst Vorder- und Rückseite, den Rücken kannst du dann mit was kräftigerem machen, der wird am Meisten beansprucht. Oh, fest anstreichen (mit'm Falzbein oder so was). Falls der Ordner so einen Lack-überzug hat, könnte das mit dem Holzleim nicht so gut klappen, im Zweifelsfall müsstest du ihn abziehen (oder anderen Kleber nehmen, der dann aber wahrscheinlich nicht verdünnbar ist).

    Im Grunde isses wie ein Buch einbinden, nur mit Kleber (also diese Schnitte beim Rücken, Zugabe zum Umklappen lassen und so).

    Ich hoffe, das hilft. Wenn nicht, komm vorbei. ^^

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  3. puh, der ordner ist aus plastik, oder?

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  4. Hehe, bevor meine Mutter in die Tiefen des Internets abtauchte gab es sogar in unserem Haushalt sowas.
    Ich finds lustig, meine kurz notierten Rezepte (oder wenn ich zu faul zum Ausdrucken bin) sehen ganz ähnlich aus wie deine - mit vielen Pfeilchen und kryptischen Abkürzungen.

    Dann gibts da noch nen Ordner mit ausgedruckten Rezepten.. den sollte man evtl. einfach mal wieder durchgucken.
    Aber so eine echte, handgeschriebene Rezeptekladde.. hat schon was, aber ich würds nicht durchhalten.

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  5. Besagtes Koch-Ringbuch besitzt sogar meine Mutter, die nicht besonders gut kochen kann, geschweige denn, es gerne tut.
    Meins habe ich im zarten Alter von ca. acht Jahren angefangen, als meine Oma mir das Rezept für die besten Vanillekipfel der ganzen Welt diktierte (die Originalversion in krakeliger Kinderschrift inklusive Rechtschreibfehler habe ich leider irgendwann mal entsorgt....).
    Und, man kann es kaum glauben, sogar Herr Anya besitzt so eine Rezeptesammlung.... und die ist viel dicker als meine....

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  6. Ich hatte also Recht mit der "Mütter-Sache" :D Wusst ichs doch.

    Der Ordner ist aus Pappe, hat aber so einen glänzenden Bezug (wahrscheinlich irgendeine Art Plastik). Mein Plan wäre, den mit etwas Schleifpapier aufzurauhen, damit der Kleber besser hält.
    Am meisten Sorgen machen mir im Moment diese Sollknickstellen und die zwei Nietköpfe auf dem Buchrücken. Ich befürchte, selbst wenn ich das schön hinbekomme, verzieht und reißt es spätestens beim Umfalten auf die Innenseite.

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  7. Um die Nieten kannst du, wenn du mit allem fertig bist und das Papier noch nicht ganz trocken ist, vorsichtig mit einem Skalpell oder Cutter rumschneiden und das Papier außenrum noch mal mithilfe eines Pinsels festkleben. Innen wird schwierig, das würde ich persönlich wahrscheinlich "nur" mit Acryl anmalen oder so.
    Wie gesagt, bei dem Lack-Plastik-Irgendwas-Überzug rate ich zu abziehen, keine Ahnung, ob das mit Schleifpapier so gut geht, Plastik bleibt Plastig, und Kaschierleim ist auf Papier und Artverwandte ausgelegt.

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  8. Hehe, sowas hat meine Mutter auch. Lustigerweise benutzt sie es nur sehr selten, denn daneben hat sie noch ihr Dr. Oetker-Schulkochbuch aus dem Hauswirtschaftsunterricht (irgendwann aus den 60ern). Das benutzt sie viel häufiger. Führt dazu, dass die Seiten inzwischen aussehen wie Ölpapier und weder der Umschlag noch das Inhaltsverzeichnis vorn bzw. das Register hinten die Zeiten überdauert haben.
    Ich bin da langweilig. Ich habe mir ein leeres Buch "Meine Rezepte" geholt und schreibe alles säuberlich ab, sobald ich es einmal probegekocht und für lecker befunden habe (und das erste Mal koche ich es mit Laptop auf dem Esstisch).
    Aber schön dass du dir ein richtiges eigenes machst. Wirkt gleich viel persönlicher. Menno, jetzt will ich auch^^

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    1. Das Schulkochbuch liegt bei meiner Oma in der Schublade und zerfleddert auch langsam, obwohl sie nicht oft reinschaut. Die Bilder und Beschreibungen sind jedenfalls der Knüller :D

      Ein "festes" Buch wäre auch nett, aber mich stört, dass ich da die Rezepte nicht umsortieren könnte. In 15 Jahren hätte ich dann drei beste Crêpes-Rezepte der Welt und alle stünden auf einer anderen Seite. Ringordner sind da flexibler.. und wenn ich mal eine Seite vollsaue oder meine eigene Sauklaue nicht mehr lesen kann, kommt das Blatt raus und ein neues rein.

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